GELİN CANLAR BİR OLALIM.

 

WIESBADEN AKM

 

ALEVITISCHE GEMEINDE WIESBADEN e.V.

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Wir sind Aleviten

 

In der Türkei leben über 23 Mio. Menschen türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft, die sich als Aleviten bezeichnen. In der Türkei leben über 23 Mio. Menschen türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft, die sich als Aleviten bezeichnen. In Deutschland schätzt man deren Zahl bei 700.000.

 

Das Alevitentum in Anatolien formte sich zwischen 13. und 16. Jahrhundert. Da die Aleviten in Anatolien der vorislamischen Kultur weitgehend verbunden blieben und die geschichtliche sowie religiöse Entwicklung ihres Landes maßgeblich beeinflussten, unterscheiden sie sich sowohl von ortodox-islamischen Sunniten als auch von iranischen Schiiten. Ein Gegensatz sowohl zur sunnitischen als auch zur schiitischen Ortodoxie besteht darin, daß die anatolischen Aleviten die Scharia, das islamische Rechtssystem für religiöse und weltliche Angelegenheit, nicht als das Wort Gottes akzeptieren. Auffallend ist vor allem die grundsätzliche Ablehnung der Gewalt, die Gleichstellung von Frauen und Männern in ihren Gemeinden, die Bewahrung von matriarchalen Familienstrukturen, die Überlieferung des Glaubens und der Kultur durch

Dichter und Saz- Spieler. Der türkische Staat ignorierte bis vor kurzem die Existenz von 20 Mio. Aleviten. Er bezeichnete die Bevölkerung in der Türkei immer noch als türkisch und islamisch, gemeint war damit sunnitisch- islamisch. Alle anderen ethnische und religiöse Gruppen existierten staatspolitisch nicht. Obwohl der türkische Staat nach seiner Verfassung laizistisch ( strikte Trennung der Religion vom Staat) aufgebaut ist, unterhält er seit der Gründung der Republik ununterbrochen das Amt für religiöse Angelegenheiten. Dieses Amt beschäftigt für religiöse Dienste derzeit ca. 90.000 Personen, zudem nahezu 88.000 Moscheen, die durchgehend den sunnitischen Islam vertreten, obwohl ein Drittel der Bevölkerung alevitisch ist. Da die Existenz der Aleviten nicht wahrgenommen wird, fördert der Staat weder alevitische Gebetsstätte (Cemevi) noch Gelehrte der Aleviten. Seit dem Militärputsch von 1980 werden auch in alevitischen Dörfern Moscheen gebaut und sunnitische Vorbeter entsandt, obwohl die Aleviten nicht in Moscheen sondern in Cemhäuser beten.

Mit der Verabschiedung der türkischen Verfassung, die im Jahr 1982 von den Militärs diktiert wurde, ist der Religionsunterricht in den Schulen als Pflichtfach eingeführt worden, an dem auch alevitische Kinder teilnehmen und die sunnitische Lehre gegen den Willen ihrer Eltern lernen müssen. Das bedeutet eindeutig ein Verstoß gegen die Glaubensfreiheit der alevitischen und andere nicht sunnitischen Schüler. Unter der sunnitischen Bevölkerung herrschen weitgehend falsche und mit Vorurteilen behaftete Informationen über das Alevitentum. Allein diese Fakten zeigen, dass die Aleviten in der Türkei keine Religionsfreiheit genießen sondern langfristig durch staatliche Förderung sunnitisiert werden. Die Situation der Aleviten in Deutschland ist nicht viel besser als derer in der Türkei. In Deutschland leben schätzungsweise 700.000 türkische und kurdische Aleviten aus der Türkei. Obwohl die Aleviten in Deutschland

Religionsfreiheit genießen könnten, sind sie teilweise der Unterdrückung von fanatischislamischen Kreisen ausgesetzt. Sie übten bis vor ca. 10 Jahren auf Aleviten einen moralischen Druck aus, wenn z.B. die alevitischen Familien ihre Kinder nicht in die Korankurse schickten.

Die Aleviten können gegen diesen Druck erst jetzt Widerstand leisten, nachdem in vielen Städten in den letzten Jahren alevitische Kulturvereine gegründet wurden und durch die Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland aktiv ihre Interesse zur Sprache bringen. Trotzdem können die alevitischen Schüler in der Schule die alevitische Lehre noch nicht lernen. Der angebotene Religionsunterricht im Rahmen des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts ist auch in Deutschland immer noch durchgängig sunnitisch geprägt.

Obwohl der Ursprung des alevitischen Glaubens in die Frühzeit des Islams zurückgeht, unterscheidet es sich doch gravierend von der Lehre des sunnitischen Islams in der Türkei und des schiitischen Islams im Iran. Im Alevitentum ist die Frau sowohl in der Lehre als auch im religiösen Verhalten wie z.B. im Cem-Gebet dem Mann völlig gleichgestellt. Das Alevitentum kennt keine Geschlechtertrennung. In der alevitischen Lehre ist die Polygamie verboten und unbekannt. Menschen anderer Glauben und andere Glaubensgemeinschaften werden respektiert und als Geschwister betrachtet, was im folgenden Spruch zum Ausdruck kommt: \"Behandele 72 Volksgruppen gleich.\" Die höchste Strafe in der alevitischen Lehre, anders als in der sunnitischen Lehre, die die Todesstrafe für einen Straftäter vorsieht, ist der Ausstoß des

Betroffenen aus der Gemeinde. Deshalb wird unter Aleviten auch die Blutrache nicht gefördert, ja sogar verachtet. Das Handeln der alevitischen Geistlichen (Dede) beschränkt sich auf das geistige Leben der Gemeindemitglieder; das Alevitentum kennt kein göttlich offenbartes Scharia- Gesetz. Das Ethos der Aleviten beruht auf Reinheit der Zunge, Reinheit der Hand und Reinheit der Lende. Das Ziel des alevitischen Ethos ist die Annäherung an Gott.

Die alevitische Gemeinde ist nach der Bindung an einem bestimmten Geistlichen (Dede bzw. Pir), die aus verschiedenen Geistlichenhäuser (Ocak) stammen, deutlich und klar organisiert. Die Aleviten bekennen sich eindeutig zum laizistisch-demokratischen Staat. Die Aleviten beten individuell abends und Donnerstagabends in der Gemeinde, der Cemversammlun. Sie gehen nicht in die Moschee, sie haben in der Regel eigene Kultstätte (Cemevi). Der Kult der Aleviten ist durch gegenseitige Versöhnung, Musik und Tanz beider Geschlechter ausgezeichnet. Die Aleviten Fasten nicht im Monat Ramadan, sondern 12 Tage imMonat Muharrem. Die Aleviten pilgern nicht nach Mekka. Die Aleviten in Deutschland bild ein im bezug auf die Religionskultur eine weitgehend homogene Gruppe, die neben den Gemeinsamkeiten mit anderen gesellschaftlichen Gruppen eigene Glaubens- und Verhaltensmuster hat.

Sie verstehen sich als eine religionskulturelle Gruppe, die im islamischen Kulturraum einen eigenständigen Glaubensinhalt entwickelte.

Aleviten sind dabei, ihren Glauben wiederzubeleben, durch interreligiösen Religionsunterricht bzw. Unterricht mit alevitischen Glaubensinhalten. Sie sind angewiesen, den durch bisher weitgehend mündlich überlieferten Glaubensinhalt in türkischer und deutscher Sprache und durch moderne pädagogische Methoden aufzuarbeiten. Die alevitische Lehre gibt einzelnen Individuen eine absolute Gewissensund Glaubensfreiheit mit dem Spruch \"Jeder ist für sich verantwortlich\". Alevitinnen sind frei, ihren Glauben selbst zu bestimmen. Es gibt kaum einen Zwang der Gemeinde oder der Mitmenschen auf den einzelnen. Es gibt in alevitischen Gemeinden einen Konsens darüber, dass die verfassungsrechtlichen Grundwerte, wie z. B. die absolute Unantastbarkeit der Menschenwürde, Gleichberechtigung von Mann und Frau, religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates, Meinungs- und Glaubensfreiheit, unveränderbar und zu verteidigen sind.

Die Aleviten, die etwa 30 % der in Deutschland lebenden Bevölkerung aus der Türkei ausmachen, fühlen sich verpflichtet, die Deutschen und die deutsche Öffentlichkeit sowie andere Migrantinnen und Migranten in Deutschland über ihre Situation und ihre Probleme zu informieren und einen Beitrag zur multikulturellen bzw. multireligiösen Gesellschaft zu leisten.

Wie es aus den Satzungen der einzelnen Gemeinden und der Dachorganisation Föderation der Aleviten Gemeinden in Deutschland e.V. hervorgeht, ist unser Hauptziel, die alevitische Kultur zu erhalten und zu pflegen. Wir setzen uns für Menschenrechte, Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Wir unterstützen alevitische Eltern, ihren Kindern die alevitischen Lehre und Kultur zu vermitteln. Wir bieten in unseren Vereinen Gruppenangebote an: z. B. Mädchengruppen, Ältere Migrantinnen und Migranten, kulturelle Veranstaltungen, Jugendgruppen, Kulturgruppen sowie Cem- Gebete. Unsere Aktivitäten werden weitgehend ehrenamtlich durchgeführt. Eines der Hauptanliegen der Aleviten Föderation besteht darin, mit den kulturellen Aktivitäten und der Öffentlichkeitsarbeit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten. Nur so können neue Kontakte und Freundschaften zwischen alevitischer und deutscher Bevölkerung aufgebaut und der interreligiöser Dialog verstärkt werden.

 

Von: İsmail Kaplan, Bildungsbeauftragter der AABF